Bei Seminaren mit Menschen aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Gewerkschaften und der Techszene haben wir die Rolle der bisherigen Digitalisierung in unseren drei Bereichen diskutiert, sowie dabei alternative Vorstellungen zum Einsatz digitaler Technik entwickelt. Hier wollen wir die Ergebnisse dieser Seminaren darstellen, die Diskussion durch Beiträge vertiefen, ins Detail gehen und Kontroversen abbilden.

13.12.2021 — Meldung zu Mobilität

Podium: ÖPNV 2.0 für die Region

von Max Bömelburg


Online-Podium am 13.01.2021, 18-20 Uhr.

Wie sieht der sozial-ökologische Nahverkehr von morgen aus und welche Rolle spielt die Digitalisierung dabei?

// Eine Veranstaltung vom Konzeptwerk in Kooperation mit einer Aktivengruppe der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB)

Ein bloßer Ausbau des ÖPNV ist nicht genug um vom Auto wegzukommen, um eine echte Mobilitätswende zu erreichen. Wir müssen den ÖPNV neu denken. In den Städten sollten wir den klassischen ÖPNV mit Bikesharing, Carsharing und anderen Mobilitätsangeboten zusammenbringen. Digitale Tools und Plattformen sind dabei unverzichtbar, aber auch ein Ausbau des klassischen ÖPNV ist zentral. Diese werden zur Zeit jedoch noch viel zu oft von profitorientierten Unternehmen programmiert und verwaltet. Wie verhindern wir auch auf der einen Seite, dass eine „Auto first“-Politik die Klimakrise weiter verschärft und auf der anderen, dass am Ende große Tech-Konzerne danach streben Gestaltungsmacht über unsere Mobilität erlangen?

Auf dem Podium wollen wir diese Fragen diskutieren und eine Skizze eines ÖPNV 2.0 für die Region Leipzig/Halle wagen. Welche öffentlichen Verkehrsangebote könnten viele Menschen zum Umstieg vom privaten Auto zum ÖPNV bewegen? Welche Software müsste den Zugang steuern?

Auf Grund der Coronasituation planen wir das Podium als Livestream, sprich die Podiumsteilnehmer*innen werden sich unter 2G+ Bedingungen treffen und diskutieren. Ihr könnt per Zoom teilnehmen oder die Veranstaltung im Youtube-Livestream verfolgen.

Mit: Dominique Just, Aktiv für die Mobilitätswende bei Robin Wood e.V. Timo Daum, Sachbuchautor und Hochschuldozent Markus Wellner, Verkehrswende und ÖPNV in der Aktiven-Gruppe Verdi bei den LVB Wolfgang Geißler, Co-Gründer und Sprecher von Einfach Einsteigen e.V.

Moderation: Julia Kaiser, SDS Leipzig

Das Podium ist kostenlos und findet online auf Zoom statt: https://us02web.zoom.us/j/82019787025

30.11.2021 — Artikel zu Logistik

Die „Anhängsel der Maschine“ wehren sich

von Hans-Christian Stephan


Zur Anwendung algorithmischer Kontrolle bei Amazon und dem Widerstand dagegen. Amazon gilt als der Musterbetrieb für den Einsatz neuer digitaler Kontrollmitteln. Der Konzern, der im Bereich der Datenverarbeitung, des Onlinehandels und zunehmend im Bereich des Warentransports bzw. der Warenlogistik agiert, gilt als Teil der „Avantgarde des digitalen Kapitalismus“ (u.a. Nachtwey & Staab 2015). Arbeiter*innen in verschiedenen Bereichen kritisieren, dass sie bei der Arbeit unter ständiger Kontrolle durch Algorithmen und diversen Überwachungstools stehen. Nichtsdestotrotz unterschätzen derzeitige Diagnosen zur Überwachung im digitalen Kapitalismus, dass Arbeiter*innen auch Subjekte sind, die sich gegen die digitale Überwachung durch das Management wehren. Möglichkeiten, sich gegen digitale Kontrolle zur Wehr zu setzen, möchte ich im Folgenden ausloten. Ich führte dafür Interviews mit dem Betriebsrat Erwin (1), der in einem Warenlager bzw. Fulfillment Center arbeitet, und Karl der im Bereich der Softwareentwicklung für Amazon tätig war. (2) Ziel des Beitrages ist es, dass auch andere Arbeiter*innen von den Erfahrungen der betriebsaktiven Amazon-Arbeiter*innen lernen können. Es geht darum die Diskussion um eine „Technopolitik von unten“ (Schaupp 2021) zu fördern.

04.10.2021 — Artikel zu Mobilität

Der Kampf um kommunale Mobilitätsplattformen

von Mark Herterich


Eine Erzählung von verfehlten digitalen Fortschrittsversprechen und der Privatisierung der Mobilität (Teil 1 von 2). Mobilitätsplattformen sind in der städtischen Mobilität gerade in aller Munde. Doch wohin führt uns die aktuelle Politik vieler Städte und Kommunen? Gerade wenn Digitalisierung ausschließlich als Fortschritt verstanden wird ohne die Auswirkungen kritisch und demokratisch zu diskutieren, finden wir uns am Ende in einer Sackgasse wieder. Eine Geschichte aus einer fiktiven Stadt: Alle Darstellungen in diesem Text sind frei erfunden, Ähnlichkeiten mit der Realität sind rein zufällig.

20.07.2021 — Meldung zu Logistik

Fortbildung: Wege aus der Gig Economy

von Anja Höfner


Online-Workshop am 17.9.2021, 10-18 Uhr. Emails, Online-Meetings, kollaborative digitale Anwendungen — das alles sind Bestandteile des digitalen Arbeitsalltags vieler Menschen, gerade seit der Corona-Pandemie. Doch die Digitalisierung von Arbeit geht noch viel weiter: Die zunehmende digitale Steuerung von Arbeitsabläufen in Warenlagern oder von Fahrradkurier*innen, die steigenden Überwachungsmöglichkeiten der Beschäftigten, die Vermittlung von (Gelegenheits-)Jobs über digitale Plattformen oder die Bewertung von Mitarbeiter*innen oder Kolleg*innen über digitale Anwendungen für sogenannte „360-Grad-Feedbacks“ sind Beispiele für Veränderungen in der Arbeitswelt, die durch digitale Technik erst möglich wurden. Während ihre Funktionsweise meist intransparent für die Beschäftigten ist, hat sie wiederum große Auswirkungen auf deren Arbeitsrealitäten. Nicht nur aus sozialer, sondern auch aus ökologischer Perspektive sind Veränderungen in der Logistik kritisch zu hinterfragen.

In der Fortbildung wollen wir uns mit der Frage beschäftigen, wie hingegen digitale Technik gestaltet sein müsste, damit sie die Möglichkeit für selbstbestimmte Arbeit unterstützt. Welche Bedingungen müsste sie erfüllen, um sozialen, aber auch ökologischen Kriterien im Bereich der Liefer- und Lagerlogistik gerecht zu werden? Dafür lernen wir einerseits bereits vorhandene Initiativen und gelebte Alternativen für eine Neuorganisation der Logistik kennen. Daneben setzen wir uns mit bereits formulierten Forderungen für eine sozial-ökologische Gestaltung digitaler Technik auseinander und diskutieren weitere Transformationsstrategien wie gewerkschaftliche Organisierung und politische Regulierung.

Die Fortbildung richtet sich an alle Personen, die Interesse an dem Thema mitbringen, zum Beispiel Vertreter*innen aus Gewerkschaften oder dem gewerkschaftsnahen Feld, Multiplikator*innen aus der politischen Bildung, Vereinen, (Umwelt-)Verbänden und Stiftungen. Vorkenntnisse sind nicht nötig.

Die Fortbildung ist kostenlos und findet online statt. Eine Anmeldung ist erforderlich.

21.06.2021 — Meldung zu Logistik

Podium: (Digitale) Transformation von Arbeit — Wege aus der Gig Economy

von Anja Höfner


Online-Veranstaltung am 23.6.2021, 18-20 Uhr. Emails, Online-Meetings, kollaborative digitale Anwendungen — das alles sind Bestandteile des digitalen Arbeitsalltags vieler Menschen, gerade seit der Corona-Pandemie. Doch die Digitalisierung von Arbeit geht noch viel weiter: Die zunehmende digitale Steuerung von Arbeitsabläufen in Warenlagern oder von Fahrradkurier*innen, die steigenden Überwachungsmöglichkeiten der Beschäftigten, die Vermittlung von (Gelegenheits-)Jobs über digitale Plattformen oder die Bewertung von Mitarbeiter*innen oder Kolleg*innen über digitale Anwendungen für sogenannte „360-Grad-Feedbacks“ sind Beispiele für Veränderungen in der Arbeitswelt, die durch digitale Technik erst möglich wurden. Während ihre Funktionsweise meist intransparent für die Beschäftigten ist, hat sie wiederum große Auswirkungen auf deren Arbeitsrealitäten. Wie müsste digitale Technik hingegen gestaltet sein, damit sie die Möglichkeit für gute Arbeit unterstützt? Welche Bedingungen müsste sie erfüllen, um sozialen, aber auch ökologischen Kriterien im Bereich der Liefer- und Lagerlogistik gerecht zu werden? Welche alternativen Ansätze, Vorschläge und gelebte Alternativen gibt es bereits für eine Neuorganisation der Logistik? Und wer sind die relevanten Akteure, die die notwendigen Veränderungen fordern, umsetzen und absichern? Wir werden diese Fragen diskutieren und gemeinsam überlegen, wie konkrete Transformationsstrategien von unten aussehen können und welche Rolle selbstorganisierte Initiativen dabei spielen.

Referent*innen sind Nathalie Szycher (foodsharing.de und Kanthaus Wurzen), Hans Stephan (Amazon Streiksolibündnis) und Moritz Altenried (Humboldt-Universität zu Berlin), und sie werden von Karin Zennig (ver.di Hessen) moderiert.

Das Podium findet im Zoom-Raum mit ID 863 6489 1402 statt (ohne Anmeldung), und wird auch auf Youtube live übertragen werden.

16.06.2021 — Artikel zu Logistik

Logistik zwischen Überwachung und Selbstbestimmung

von Anja Höfner, Max Bömelburg, Nicolas Guenot


Wie Steuerungssoftware Liefer- und Lagerlogistik verändert hat und wie sie neugestaltet werden können. In diesem Bereich des Projekts beschäftigen uns die Rolle digitaler Technik in der Gestaltung der Logistikbranche, speziell für den Bereich der Lager- und der Lieferlogistik, sowie deren Auswirkungen auf Arbeitsbedingungen. Zusammen mit Vertreter*innen aus Gewerkschaften, Wissenschaft, selbstorganisierten Betrieben und sozialen Initiativen haben wir uns Fragen des bisherigen Einflusses digitaler Technik in der Logistik und einer möglichen Neugestaltung im Sinne einer Regionalisierung von Wirtschaftskreisläufen gestellt. Hier wollen wir unsere Diskussionen aus den Seminaren, die wir gemeinsam durchgeführt haben, zusammenfassen.

26.05.2021 — Artikel zu Mobilität

ÖPNV 2.0

von Timo Daum


Welche Rolle digitale Technologien in der Neuerfindung des öffentlichen Nahverkehrs spielen können (Teil 2 von 2). Solange der ÖPNV nicht nutzerorientiert gestaltet ist, wird er nicht zur Verkehrswende beitragen. Doch wie könnte ein ÖPNV 2.0 aussehen und welche Rolle spielen darin digitale Technologien? Die Entstehung von Plattformen wie Uber, Sixt oder Googlemaps hat gezeigt, dass datengetriebene Dienste eine wichtige Innovation darstellen, um den öffentlichen Verkehr stärker an den Bedürfnissen der Kunden und Kundinnen zu orientieren. Wenngleich das Geschäftsmodell von diesen Dienstleistern auf vielen Ebenen abzulehnen ist, so kann Digitalisierung zu einer Reformierung der skandalösen Zustände des ÖPNV im Sinne einer guten Mobilität als Teil der Daseinsvorsorge beitragen.

12.05.2021 — Artikel zu Mobilität

Der ÖPNV ist das Hartz 4 der Mobilität

von Timo Daum


Warum sich der öffentliche Nahverkehr neu erfinden muss (Teil 1 von 2). Warum ist mit dem ÖPNV, wie wir ihn kennen, keine Verkehrswende zu machen? Er ist nicht kundenorientiert, sogar diskriminierend, nur auf den ersten Blick ökologisch vorteilhaft, und vor allem mit Blick auf die Zukunft nicht skalierbar, tritt auf der Stelle. Die Krise des ÖPNV ist durch Corona noch deutlicher geworden, er ist dringend reformbedürftig.

11.05.2021 — Meldung zu Mobilität

Podium: Mobility as a (Public) Service?

von Max Bömelburg


Online-Veranstaltung am 19.5.2021, 18-20 Uhr. Angesichts der Klimakrise sollen der Autoverkehr reduziert und ÖPNV sowie Fuß- und Radverkehr gestärkt werden. Die Mobilitätswende muss her, darin sind sich alle einig. Was macht sie aber aus? Viele reden von „Mobility as a Service“ und meinen damit, dass durch digitale Angebote unsere Mobilität effizienter, flexibler und nachhaltiger gestaltet wird. Mit einer einzigen App multimodale Mobilität zugänglich machen. Also einen Rufbus bestellen, anschließend ein Tramticket online lösen und die letzten Meter mit einem Leihfahrrad zurücklegen, das wäre die Zukunft. Aber welche Daten sind dafür nötig? Wem gehören sie? Und wie viel Ressourcen braucht diese App? Wir brauchen klare Kriterien, um den Einsatz digitaler Technik sozial und ökologisch gerecht zu gestalten. Sonst drohen immer mehr Verkehrsdaten unter die Kontrolle großer Techkonzernen zu gelangen, anstatt als kollektive Daten im Sinne einer Mobilitätswende eingesetzt zu werden. Wir müssen also herausarbeiten, wie digitale Plattformen den nötigen Aufbau eines „ÖPNV für alle“ unterstützen können. Könnte „Mobility as a Public Service“ eine Alternative sein? Dabei könnten öffentliche digitale Plattformen als Teil einer sozialen Infrastruktur der Mobilitätswende aufgebaut werden.

Referent*innen sind Anton Brokow-Loga (ILA Kollektiv und Bauhaus-Universität Weimar), Lena Schimmel (dystonse.org) und Timo Daum (Autor und Dozent).

Das Podium findet im Zoom-Raum mit ID 898 9923 7908 statt (ohne Anmeldung), und wird auch auf Youtube live übertragen werden.

22.04.2021 — Artikel zu Mobilität

Die sanfte digitale Neugestaltung der Mobilität

von Anja Höfner, Max Bömelburg, Nicolas Guenot


Was digitale Mobilitätsplattformen verändert haben und wie wir sie gestalten wollen. Der Einsatz digitaler Technik in der Gestaltung der städtischen Mobilität und die Rolle digitaler Plattformen als immer wichtigerer Zugangspunkt für verschiedene Mobilitätsangebote beschäftigten uns in diesem Bereich unseres Projekts. Gemeinsam mit Menschen, die in verschiedenen Bereichen aktiv sind — von der Techszene bis hin zur Ökobewegung, aus Gewerkschaften und Organisationen der Zivilgesellschaft — haben wir uns die Frage nach der Rolle digitaler Technik in der bisherigen Entwicklung der Mobilität und in einer kommenden Mobilitätswende gestellt. Hier wollen wir unsere Diskussionen aus den Seminaren, die wir gemeinsam durchgeführt haben, zusammenfassen.